Storkower Bogen: Interview mit Centermanager Jens Fritsche
Der Berliner Storkower Bogen bringt Wohnen, Leben und Arbeiten zusammen. Centermanager Jens Fritsche verantwortet den Komplex, so auch die Photovoltaikumsetzung gemeinsam mit Vattenfall. Im Interview teilt der Geschäftskunde exklusiv die größten Herausforderungen, aber auch Vorteile bei der Umstellung auf Solarstrom. Wie sein Führungsstil sich positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt und welche Rolle er Immobilien in der Energiewende zuschreibt, das lesen Sie hier.

Vom Mieter zum Centermanager: Wie sind Sie zur Leitung des Storkower Bogens gekommen?
Nach meinem Studium der Elektronik war ich knapp 20 Jahre bei einem Energiemessdienstunternehmen tätig. Dann habe ich mich selbstständig gemacht, um ein kleines, feines Unternehmen zu führen. Daraus wurde schnell ein Betrieb mit 16 Mitarbeitenden, das war mit viel Aufwand verbunden. Nach vier Jahren habe ich mich entschieden, die GmbH zu verkaufen. Als Mieter im Storkower Bogen bin ich zur damaligen Centermanagerin, um sie über meinen Ausstieg und die Nachmietersuche zu informieren. Da fragte sie mich, ob ich nicht ihr Nachfolger werden will. 25 Jahre saß ich auf der anderen Seite des Tischs, weil ich Verwalter betreut habe. Jetzt bin ich seit 2017 selbst einer, seit 2021 auch am Standort Erfurt.
Wie läuft Ihr typischer Arbeitstag als Verwalter eines solchen Gebäudekomplexes ab?
Meine Frau sagt, ich bin wie ein Schiffskapitän an Bord: Ich behalte alles im Blick. Mein Tag startet um kurz vor acht, da gehe ich meistens schon eine Runde oder schaue beim Reinfahren durch die öffentliche Tiefgarage. In Berlin ist Graffiti ein großes Problem: Wenn das innerhalb von 24 Stunden nicht weg ist, hat man eine bunte Wand. Deshalb prüfe ich morgens die Berichte vom Nacht-Wachdienst. Danach habe ich Termine mit Mieter:innen, Interessenten und Dienstleistern, dazwischen mache ich Rundgänge mit unseren Haustechnikern. Das Gebäude ist fast 30 Jahre alt, da gibt es immer etwas zu tun. Oberstes Ziel ist, dass alles funktioniert und sauber ist, um die Flächen voll zu vermieten. Darum investieren wir auch, sofern es sinnvoll und langfristig wirksam ist.
Was macht den Storkower Bogen als Immobilie besonders?
Wir sind Teil der Jost Hurler Gruppe, ein echtes Familienunternehmen und das leben wir auch. Die Entscheidungswege sind kurz, das Vertrauen groß. Welcher Verwalter kann bei einem Problem schon sagen: „Ich bin in 2 Minuten da“? Mir ist der persönliche Kontakt wichtig, deshalb führe ich mit den Mieter:innen auch Jahresgespräche, um nicht überrascht zu werden. Oder sie kommen einfach auf einen Kaffee vorbei, meine Tür steht immer offen.
Wie bewerten Sie die Veränderungen, mit denen die Immobilienbranche jüngst zu kämpfen hatte? Etwa der Trend zur Remote Arbeit durch Corona.
Immobilien sind alles andere als immobil: Wer begriffen hat, dass man einen guten Standort hat, muss etwas daraus machen. Ein Beispiel: Vor Corona gab es hier den größten Bastelladen Europas. Als dieser schließen musste, sind wir auf Woolworth zugegangen, um sie für unseren Standort zu begeistern. Manchmal gehört ein bisschen Vision dazu. Als ein Reiseunternehmen während der Pandemie kurz vor der Insolvenz stand, haben wir die Miete ausgesetzt. Und jetzt? Wir bauen diese Flächen nun um und stehen kurz vor einem Mietvertrag über mindestens zehn Jahre.
Auch der Storkower Bogen ist im Wandel: Zwei von neun Gebäuden sind bereits mit Photovoltaik bestückt. Wie kam es zu der Entscheidung?
Die Dächer müssen teilweise instandgesetzt werden. Ursprünglich war meine Vision: Alles schön grün machen, Bienen drauf und zu Weihnachten bekommen alle Mieter:innen ein Glas hauseigenen Honig. Aber wir haben als Unternehmen die Förderrichtlinien nicht erfüllt. In Berlin ist es so: Wenn man mindestens 80 % vom Dach neu macht, muss Photovoltaik drauf. Natürlich hätten wir auch nur zwei Module installieren können. Aber wenn wir das machen, dann richtig. Wir haben uns entschieden, jeden Zentimeter auszunutzen, der geht. Jetzt bekommen die Mieter:innen Solarstrom statt Honig.
Was waren die größten Hürden, bevor Sie das Photovoltaikprojekt realisieren konnten?
Förderungen, bei denen man „Geld“ geschenkt bekommt, gibt es zurzeit nicht. Vergünstigte Kredite kamen für uns nicht infrage. Der Preis ist daher eine große Hürde. Eine weitere ist die Koordination aller Gewerke. Bei einem Projekt wie unserem, zuerst eine Dachsanierung und dann die Installation von Solarmodulen, sind viele Firmen involviert, von Brandschutz über Elektrik bis zum Gerüstbau. Vorbereitung ist wichtig, entscheidend ist aber, jemanden zu haben, dem man vertrauen kann. Das hatten wir im ersten Schritt bei der Dachsanierung und den damit verbundenen Dichtungsarbeiten nicht: Es kam zu zwei folgenreichen Wasserschäden. Dadurch wurde alles verschoben, auch das PV-Projekt. Aber jetzt sind wir seit Frühjahr 2025 in Betrieb und der Ertrag ist größer als prognostiziert.
Ein Dach liefert bereits Solarstrom, das nächste folgt in Kürze. Ihr Zwischenfazit?
Wir sind absolut zufrieden. Beim ersten Gebäude handelt es sich um eine Beatmungsklinik. Prognose war, dass die Module knapp 25.000 Kilowattstunden pro Jahr produzieren. Und wir haben allein von Februar bis November schon die 26.000 kWh geknackt. Im Sommer wurden die Patient:innen zu 100 % durch Solarstrom beatmet. Per App kann ich mir den Ertrag jederzeit bequem live ansehen, das macht mir dann schon Freude.
Was hat Sie bei Vattenfall als Projektpartner überzeugt?
Beim ersten Termin mit Vattenfall kamen drei Experten. Sie hatten eine Drohne dabei und haben sich vorher mit dem Objekt beschäftigt. Das weiß ich, denn der Wachdienst hat mir gesagt, dass sich da ein paar Leute interessiert umsehen. Das haben andere nicht gemacht. Und da dies unser erstes PV-Projekt war, haben wir uns gesagt: Wir nehmen lieber jemanden, der weiß, was er tut. Zum Beispiel: Die ganzen Unterlagen, die man bei einer größeren Anlage ausfüllen muss – das will keiner sehen. Von Vattenfall bekam ich alles bequem mit Klebezettel, wo ich unterschreiben soll. Das ist mir extrem viel wert. Vattenfall hat uns den Rücken freigehalten.
Wie geht es nun im Storkower Bogen mit dem Photovoltaik-Ausbau weiter?
Das fragen mich die Mieter:innen auch: „Wann ist denn unser Dach dran?“ Die bekommen die Installation im Objekt ja mit und freuen sich. Denn nur bei den Stromkosten lässt sich was machen, bei Fernwärme und Wasser haben wir keinen Spielraum. Die zweite Anlage ging im November 2025 in Betrieb. Da lief alles reibungslos. Wir haben unserem Berater Herrn Seeger gesagt, wie groß die Fläche ist, er war mit der Drohne da und hat alles vermessen. Das Angebot haben wir danach angepasst, um den Strom effizienter selbst zu verbrauchen. 2026 steht das nächste PV-Projekt an – ein Dach pro Jahr.
Welche Maßnahmen zum Stromsparen setzen Sie noch um?
Um die Betriebskosten zu reduzieren, tun wir alles, was möglich ist. Im Rahmen unserer ESG-Zertifizierung stellen wir zum Beispiel seit zwei Jahren auf LED um und arbeiten an neuen Lichtkonzepten. Und wenn wir das Licht neu machen, dann muss es nicht nur effizient, sondern auch schön und modern sein. Wenn man in die Tiefgarage fährt, wird es heller, beim Rausfahren dunkler – das hat den schönen Nebeneffekt, dass der Wachdienst sofort sieht, wenn jemand da ist. Das verbraucht auch einen Bruchteil und kostet inzwischen nicht mehr so viel. Wir sind dabei, in allen öffentlichen Toiletten Bewegungsmelder zu installieren. So kann niemand vergessen, das Licht auszumachen.
Mit Ihrem Büro im zwölften Stock haben Sie einen Panorama-Blick auf die Berliner Immobilienlandschaft. Ihre Meinung dazu?
Das provoziert doch förmlich, diese vielen flachen Dächer mit PV zu belegen, oder? Windräder kann man schließlich in einer Stadt wie Berlin nicht aufstellen. Aber so einfach ist es nicht. Es gibt bürokratische Hürden und wie wird der produzierte Strom weitergegeben? Wir schenken zum Beispiel teilweise unseren Mieter:innen den Strom, dafür ist die Kaltmiete etwas höher. Trotzdem oder gerade deshalb: Während viele Flächen ringsum leer stehen, heben wir uns mit Photovoltaik vom Wettbewerb ab und haben vollvermietete Flächen. Deshalb wollen wir Photovoltaik auf unseren Dächern weiter umsetzen – gemeinsam mit Vattenfall.
Und zum Abschluss:
Zwei Schlüsselmomente aus Ihrer Karriere und Ihre Erkenntnisse daraus?
- Der Wasserschaden. Da muss man konzentriert und ruhig bleiben, nicht in Panik verfallen.
- Lange Vertragsverhandlungen mit Mieter:innen. Sich da mal eine Auszeit zu nehmen, kann viel bewirken.
Ihre Botschaft an den nächsten Centermanager des Storkower Bogens:
Mach das Ganze genussvoll! Aber keine Sorge: Ich plane noch einige Jahre für die Jost Hurler Gruppe die 2 Centren zu betreiben.
Und wie endet Ihr Arbeitstag als Centermanager?
Mit Sport – ich mache Triathlon –, meiner Familie oder Freunden. Oder aber ich muss mich noch um etwas im Objekt kümmern, wie gerade um ein falsch parkendes Auto …
Vielen Dank für das Interview, Herr Fritsche!
Executive Summary – Jens Fritsche:
- Seit 2021: Centermanager Melchendorfer Markt, Erfurt
- Seit 2017: Centermanager Storkower Bogen, Berlin
- Leitung von insgesamt 10 Mitarbeitenden (4 in Erfurt, 6 in Berlin)
- 2014 bis 2017: Selbstständig, TrioMess GmbH
- 1995 bis 2014: Regionsleiter, Brunata-Metrona GmbH
- Dipl-Ing. in Elektrotechnik, Humboldt-Universität zu Berlin
Storkower Bogen in Zahlen:
- 1997: Fertigstellung Neubau
- 9 Gebäudeteile mit zwölfstöckigem Hochhaus
- vermietbare Fläche: ca. 30.000 m² (ca. 70 Gewerbeflächen, 14 Privatwohnungen)
- ca. 500 Tiefgaragenstellplätze, 25 Außenparkplätze mit Ladesäulen im Objekt
- Anbindung an ÖPVN: S-Bahn- & Bushaltestelle
- Eigentümer: Jost Hurler Beteiligungs und Verwaltungs GmbH & Co. KG